Who am I, anyway?

Gute Frage. Fangen wir mit etwas biographischem an.

Geboren, aufgewachsen und bis heute verwurzelt im Schwabenland, hatte ich – wie wohl die Meisten – eine konkrete Vorstellung davon, wie  mein Leben ablaufen würde. Das klappte auch erst mal, bis ich nach dem Tod meines Großvaters in meine erste Depression stürzte, und noch ehe ich mich davon so richtig erholt hatte die Diagnose MS bekam. Nachdem mein Leben erst mal in Scherben flog, habe ich es allerdings geschafft, mich wieder aufzurappeln, alles zusammenzukleistern und neu anzufangen.

Nach einem totalen Blackout im Mathe-Abi war klar, dass das mit „naturwissenschaftlichem Studium, Chemie, Informatik oder so…“ nichts werden konnte. Also, was tun? Hummm… So… Kunstgeschichte? Schwerpunkt Denkmalpflege? Und dazu dann? Eh… warum nicht Pädagogik? So Denkmalpfleger oder Museumspädagoge. Oder Ausstellungskonzeption oder so. Auf dem Weg schritt ich dann also voran bis die erste Depression meinen Weg kreuzte.

Im Sommer 1999, knapp vier Jahre nach meinem Abitur, zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon ein Studienjahr wegen Studiengangwechsels verloren, starb sehr überraschend mein Großvater, der eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben spielte. Zuerst wunderte sich niemand darüber, dass ich völlig neben mir war, aber als das Ganze nach einem halben Jahr immer noch nicht vorbei war und ich mich anfing, damit unwohl zu fühlen, ging ich dann mal zum psychologischen Dienst des Studentenwerks. Hätte ich mal besser gelassen. Der Therapeut war mir schon von Minute 1 an unsympathisch und war klar der Ansicht „ganz normale Trauerreaktion“. Na denn. Quälte ich mich halt weiter und kam in Zeitlupe wieder auf die Beine. Das ging so lange mehr oder weniger gut, bis mir dann die MS in die Quere kam.

Das war… 2002, auf die wohl typischste Art und Weise, mit einer Sehnerventzündung. Nach einer einwöchigen Odyssee von Augenuntersuchung zu Augenuntersuchung wurde ich zum Neurologen geschickt, der mich nach der Verdachtsdiagnose des Augenarztes stante pede ins Krankenhaus einwies. WHATTT? Er meinte nur trocken „Sehnerventzündung, kann man nur stationär behandeln.“ Heute weiß ich, dass auf dem Einweisungsschein schon die Verdachtsdiagnose MS stand.

Meine damalige betreuender Ärztin im KH (auch wenn es schon lange her ist ein ganz großes Danke an die Neurologie im KH Esslingen) fand tatsächlich den einzig sinnvollen Weg mir die Diagnose mitzuteilen mit der ich umgehen konnte. Sie definierte die MS als „chronisch“, weil ja seit Kurzem mit den Interferonen Medikamente zur Verfügung stünden, die den Verlauf deutlich aufhalten konnten. Dann drückte sie mir einen Stapel Bücher in die Hand und meinte, ich solle mich jetzt erst mal gründlich informieren und bei Fragen jederzeit auf sie zukommen.

Die Versachlichung tat gut und ich war mir zuerst sicher, dass ich gut damit klar kommen würde, halt für den Rest meines Lebens auf Medikamente angewiesen zu sein. Tja. Dachte ich.

Zuerst fand ich es cool, dass mein Neurologe mir sehr viel Infomaterial über die drei möglichen Präparate in die Hand drückte und sagte, ich solle ihm beim nächsten Termin in drei Wochen sagen welches ich haben möchte und warum. Dass er meine Wahl und Argumentation mit einem „das klingt gut durchdacht“ akzeptierte war gut. Aber irgendwann kamen die Zweifel. Er war doch Arzt, und Ärzte sollten doch wissen, welches Medikament besser war. Auf meine Rückfrage gab er dann ehrlich zu, dass diese Mittel noch so neu waren, dass niemand wusste, ob eins davon besser war und welches für einen bestimmten Patienten geeigneter war als ein anderes. Großartig. Echt super.

Nach außen hin funktionierte ich noch relativ lange gut, aber in mir drin kochte es. Ein Damoklesschwert? Bei dem mir keiner eine zuverlässige Prognose geben konnte? Bei dem Medikamente ausgewürfelt wurden? Sitze ich nun morgen im Rollstuhl oder was? Meine Familie versuchte mich zu unterstützen, auch meine Freunde waren großartig. Die Frage war immer nur „Brauchst Du was besonderes oder sollen wir Dich einfach behandeln wie immer?“ Nützte nur nix. Die Angst feierte mit der noch immer nicht aufgearbeiteten Depression eine Party und ich? Wäre wohl in die Binsen gegangen wenn meine damalige Hausärztin mich nicht zu einer Psychotherapie erpresst hätte. „Bis in 14 Tagen haben Sie einen Therapeuten oder ich suche Ihnen einen'“…

Hier folge dann der nächste Dusel. Nach etlichen Telefonaten wegen Erstgesprächen (ich glaub, jeder der schon mal einen Therapeuten gesucht hat kennt diese Situation) geschah ein Wunder. Ich rief an, sprach mit einer sehr sympathischen älteren Dame die, nachdem ich meine Situation geschildert hatte, meinte „Die Uhrzeiten sind vielleicht etwas ungeschickt und ich kann sie vorläufig auch nicht jede Woche zur gleichen Zeit drannehmen, aber ich hätte nächste Woche Zeit für ein Erstgespräch.“ Ich nahm an, und es passte. Für das nächste Jahr flickte sie mich also zusammen und stellte mich so stabil auf die Beine, dass Psychotherapie seither tatsächlich kein Thema mehr ist. (Antidepressiva schon, aber dazu später mehr.)

Die Tatsache, dass tatsächlich niemand sagen konnte, wie es mit mir körperlich weitergehen würde und ich durch die Depri-Zeit nach dem Tod meines Großvaters genug Zeit im Studium verloren hatte, führte mich zu der Entscheidung, mich auf diverse kaufmännische Lehrstellen zu bewerben. Obwohl ich schon 25 war, bekam ich eine Chance und damit war mein weiterer beruflicher Weg erst mal klar, Ausbildung als Bürokauffrau, schon während der Lehre Projektassistenz und erste Erfahrungen im Sekretariat, seither konsequent weiter auf diesem Weg, Fortbildung zum Management Assistant, eine Zeit lang Privatsekretärin, Vorstandssekretärin etc. Heute mit eine gewissen „been there, done that“-Gefühl als Teamassistentin unterwegs – denn ich will heute eine 35-Stunde-Woche mit Feierabend.

Die Depression war ich wie oben schon geschrieben erst mal los, die Therapie war beendet. Und sonst so? In der Verarbeitungsphase meiner Krankheit wuchs ich mit meiner heutigen Frau zusammen, wir zogen in eine gemeinsame Wohnung, nur die starken Nebenwirkungen der Interferone machten mir zu schaffen. Gegen den Winter Blues bekam ich erstmals Johanniskraut und die Wirkung machte mir klar, dass ich doch noch nicht 100% okay war. Mein damaliger Neuro stellt mich dann also erstmal dauerhaft auf eine niedrige Dosis Fluoxetin ein und gut war.

Erste Deprikrise war dann am 11. März 2009, der Amoklauf an dem Schulzentrum in dem meine Frau arbeitet ließ uns beide mit leichtem Trauma zurück. Ich kehrte damals für eine Krisenintervention zu meiner Therapeutin zurück und im Abschlussgespräch bestätigte sie mir, dass sie außerhalb einer akuten Krise in weiterer Psychotherapie keinen Sinn sieht, da alle gemeinsam eingeübten Verhaltensweisen eben auch in dieser Extremsituation so gut griffen, dass kein weiteres Training notwendig sei.

Im Jahr 2012 habe ich meine langjährige Freundin dann geheiratet und wir zogen in unsere gemeinsam gekaufte Wohnung. Zwei Wochen nach dem Einzug stießen noch zwei Kitten aus dem Tierheim zu unserer WG.

Mit Macht meldete sich die Depression im Herbst letzten Jahres zurück, diesmal erstmalig suizidal. Meine aktuelle Ärztin stellte mich nach einem Versuch mit Citalopram dann um auf Venlafaxin, seither geht es mir wieder richtig gut. Psychotherapie ist kein Thema, denn der Auslöser für diese schwere Episode liegt klar im Tod meines Vaters begründet. Auch wenn die Notbremse fast zu spät kam, sie kam dann doch noch und ein Teil des Problems dass sie so spät kam lag – klar nachvollziehbar – darin, dass sich meine Therapeutin inzwischen im wohlverdienten Ruhestand befindet und ich es versemmelt hatte, mir einen Ersatz zu suchen.

Was die MS anbelangt – inzwischen alles Cool. EDSS zwischen 2,5 und 3 je nachdem wie es mir geht und was mein rechtes Bein macht.

In diesem Blog wird es in einer wilden Mischung um mich, meine Hobbies und meine Handarbeits- und Bastelprojekte gehen.

Sprachlich wird dieser Blog je nach Thema zwischen Englisch und Deutsch springen, denn gerade die Beiträge über das Quilten und die Oya schreibe ich auch für meine internationalen Pinterest-Follower und G+ Freunde.