Spontanbericht II statt Gänseblümchen

Man merkt (ich selber auch) mit der Selbstachtsamkeit habe ich es aktuell nicht so. Ich verpasse mir also einen festen Tritt in den Allerwertesten und werde wieder besser auf mich acht geben.
Muss ich auch, denn mein zweites Spontanseminar war mal wieder klassisch Julia. Aber fangen wir vorne an.

Wie ich berichtete, hatte ich ein Visual Scrum-Seminar in Bonn gebucht. Ehrlich gesagt habe ich dann doch nicht viel Überlegen gebraucht, um mich dazu zu entscheiden, im Seminarhotel zu übernachten und das war eine sehr, sehr gute Entscheidung.

Der Hinweg am Freitag war so weit, so entspannt, um dreiviertel Sechs Abfahrt in Stuttgart, dreiviertel Neun Ankunft in Bonn. Fahrplangemäß. Wieder war vom Service der Deutschen Bahn in der ersten Klasse nix zu sehen 😉 Die erste positive Überraschung kam dann am Bahnhof in Bonn. Rosenmontag-Abend und: Keine Jecken. Ein paar wenige Verkleidete, die sich nüchtern und lässig durch die Stadt bewegten, das wars. Im Hotel bin ich dann im Endeffekt ziemlich schnell umgefallen und habe geschlafen wie ein Stein.

Am nächsten Morgen kroch ich (obwohl es nach acht war) noch im Halbtran Richtung Frühstück und scannte nebenbei die rumsitzenden Herrschaften. Bei zwei einzeln sitzenden Personen dachte ich mir noch „die könnten auch zum Seminar hier sein“, wendete mich dann aber meinem Frühstück zu. (…ich sollte Recht behalten)
So gesehen die einzige geruhsame Phase dieses Tages, denn kaum waren wir alle acht im Seminarraum angekommen, ging es auch schon los. Zuerst ganz kurz auf DinA4, dann ran an die Moderationswände. Durch die gegebene Stoffdichte, habe ich das Seminar spaßeshalber als „Druckbetankung“ bezeichnet, allerdings eine der wirklich großartigen Art. Gruppenarbeiten und Einzelübungen wechselten sich mit kurzen reinen Erklärphasen (bei denen man aber denn doch irgendwie mitgezeichnet hat) ab und so waren wir alle am zweiten Tag gegen Mittag so weit, dass wir unser „Gesellenstück“ – ein selbstentwickeltes Plakat bzw Flipchart – in Angriff nehmen konnten.

Hier ein Zwischenstand, das „Containerplakat“, mit Übungen zum Thema.
Eine Metaplantafel bespannt mit weißem Papier, auf dem mit schwarzem Stift verschiedene Textcontainer gezeichnet sind.

Seufzend erhobener Zeigefinger an mich: Ich war schon am Dienstagabend dermaßen fertig, dass ich eigentlich wußte, dass ich mich überanstrengt habe. Die Erkenntnis kam dann noch so weit mit, dass ich am Mittwoch Morgen beim Checkin gesagt habe, dass ich keine Ahnung habe, woher ich die Körner nehmen will, um den Tag durchzustehen. Ich habe sie dann doch gefunden und wieder viel zu viel gestanden und gemacht.
Natürlich bezahle ich dafür. Heute noch. Was mir sagt, wie weit ich über meine Grenzen gegangen bin. Und hier haben wir bei aller Begeisterung über das phantastische Seminar einen kleinen Exkurs zur MS: Nun lebe ich seit 17 Jahren mit der Diagnose und hab es immer noch nicht gelernt, mich nicht von der Begeisterung so mitreißen zu lassen, dass ich alles vergesse, vor allem meine inzwischen schnell beleidigten Muskeln.

Mittwoch am Bahnhof dann kam die schon fast „übliche“ Bahnüberraschung „Der IC nach Stuttgart hat 75 Minuten Verspätung“. Like… whatttt? Ich ging dann mal zum Schalter um zu sehen, was sich da (trotz Zugbindung) machen ließ. Hier kann ich nur erfreut sagen: Eine Menge. Ich bekam sofort meinen Stempel „Zugbindung aufgehoben“, bekam das Fahrgastrechteformular und den Hinweis, dass in 45 Minuten ab Siegburg ein ICE führe, der zwar auch etwas Verspätung hätte, aber mich auch schneller nach Stuttgart brächte. So mag ich das. Also ab in die Straßenbahn, in Siegburg noch ein rasches Vesper eingeworfen und ab die Luzie nach Stuttgart. Diesmal sah man die Zugbegleiter nicht nur zum Fahrkarten kontrollieren, nein, sie verteilten auch noch Schokowürfel.

Fazit: Ich bin inzwischen stolze Besitzerin einer höhenverstellbaren Flipchart, vor der man auch im Sitzen arbeiten kann, und werde auf jeden Fall die Ausbildung zum Visual Facilitator in Angriff nehmen.

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