Visualisierung, Sketchnoting und andere Gedanken…

Manchmal ist es schon lustig, dass man sein Leben lebt, sich eingerichtet hat und viele Dinge einfach hinnimmt, weil sie so sind. Zum Beispiel, dass ich beim Suchen eines Gegenstandes immer ein mentales Foto des letzten Orts an dem ich den Gegenstand gesehen habe bekomme, und dann diesen Snapshot einkreise. Normalerweise finde ich das Ding dann auch darüber. Genauso, dass ich etwas finde, wenn es so aussieht wie ich erwarte. Habe ich aber eine falsche Farbe abgespeichert (z.B. assoziiere ich die CD „ABBA Gold“ mit einem schwarzen Cover, der Rücken ist aber glaube ich weiß) kann ich suchen bis ich schwarz werde. Ich kann das Ding vor Augen haben und sehe es nicht.

Es brauchte einen kräftigen Stipps von außen, um mich darauf zu stoßen, dass ich meine bildhafte Vorstellungsgabe, mein stark visuelles Gedächtnis, nutzen könnte. Ungefähr gleichzeitig stolperte ich über das Thema Sketchnoting (also „protokollieren in Skizzen“) habe festgestellt, dass dies genau die Art von Protokoll ist, die sich in meinem Hirn festsetzt. So richtig. Außerdem scheine ich diese Art des Skizzierens schon ex hohlo Baucho recht gut zu beherrschen.

Das alte Problem: Wenn du bei einem Vortrag mitschreibst, fließen die Worte des Vortragenden ohne echte Zwischenverarbeitung aufs Papier. Man schreibt leere, hohle Phrasen mit und hat hinterher Notizen, die man sich nie mehr anschaut.
Wenn Du einen Vortrag mit Sketchnotest, übersetzt Du alles, was Du hörst in Bilder. Mit hohlen Phrasen geht das nur nicht 😀 Das durfte ich beim letzten Vortrag hier auf der Arbeit erfahren… ich habe die ersten paar Minuten nichts gezeichnet, das war das übliche Begrüßungsblah. Dann kam eine heiße Phase in welcher der Bleistift ständig kritzelte. Und dann? Wieder Leerlauf. Eeewig viel Leerlauf. Wenn ich den Vortrag heute, nach ein paar Tagen, Revue passieren passe war er aber genau so.

Aus diesen Erfahrungen hat sich ergeben, dass ich tatsächlich eine Perspektive vor mir sehe, die ich früher nicht in Betracht gezogen habe. (ihr wißt schon: „Ich kann nicht zeichnen…“ – kann ich doch.) Visualisieren für andere. Sichtbar machen, was sie sagen, sich aber nicht vorstellen können. Mal schauen, ob sich daraus eine Fortbildungsserie ergibt, die ich doch mache. Hatte ja mal gesagt „och nööö“, aber Visual Facilitator, das könnte was sein.

3 Gedanken zu „Visualisierung, Sketchnoting und andere Gedanken…

  1. Deine Art des Sketchnotings (gibt es das Wort überhaupt?) klingt wahnsinnig toll. Ich bin nur zu blöd zum Zeichnen 😉
    Die Sache mit den abgespeicherten letzten Ort kenne ich auch. Dann kreise ich so lange um diesen Platz und übersehe das Objekt mitunter auch schonmal. Kennst du das?
    Viele Grüße von Annie

    1. Hallo Annie, ja, das Wort gibt es in der Tat 😉 Tante Google hilft im Zweifelsfall weiter. Und… niemand ist zu blöd zum Zeichnen. Kannst Du ein M, ein O und ein I schreiben? Dann kannst Du ein Fahrrad malen. Versprochen.

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