Multikulti in Deutschland – ein Gedankengang in fünf Absätzen.

Dieser Gedankengang entstand im Urlaub. Als wir mit unseren Vermietern darüber gesprochen haben, was in Frankreich so problematisch daran ist, Bretone bleiben zu wollen. In Frankreich gilt eine „eine Sprache, eine Kultur“-Regelung, die von oben (Paris) übergebügelt wird. Das wurde seit den Sechzigerjahren zwar besser, aber es ist für Regionen noch immer sehr schwer, eine eigene Identität zu behalten.

In Deutschland ist man Schwabe, oder Bayer, oder Friese, oder Sachse, oder… oder… oder. Fast jeder Deutsche definiert sich doch erst einmal über seinen Dialekt. Danach kommt die Region. Nicht über das Bundesland, das kommt – wenn überhaupt – an dritter Stelle. Erst bin ich Schwabe, dann bin ich Württemberger, dann bin ich Deutsch.
Am Dialekt hängt so viel kulturelles. Am Dialekt hängen Trachten, Bräuche, daran hängen… ganze Kulturen. Menschen die auch innerhalb Deutschlands unterschiedlich wahrgenommen werden. Man hat Vorurteile über Dialektgruppen, man hat Vorstellungen des archetypischen Dialektsprechers. Legendär ja auch der Werbespruch für Baden-Württemberg „Wir können alles, außer Hochdeutsch.“

Was ist die Deutsche Hochsprache eigentlich? Genaugenommen ein Konstrukt, das mit der Lutherbibel begann, und das darauf ausgerichtet ist, von allen Deutschen gleich gut oder gleich schlecht verstanden zu werden. Über dieses Konstrukt definieren wir das „Deutsch sein“ jenseits unserer Region. Natürlich gibt es auch für „den Deutschen“ Stereotype, solche die wir selbst in der Karrikatur benutzen (der „deutsche Michel“) oder solche, die der Außenwahrnehmung entspringen.

So meistert also jeder Deutsche wenn er ehrlich ist mühelos die Kunst des Multikulti, denn der Sachse nimmt den Bayern und den Friesen auch als Deutsch wahr, selbst wenn sie sich eigentlich sprachlich kaum verstehen, so lange nicht jeder das Konstrukt der Hochsprache verwendet.

Da frage ich mich doch, wieso es so viel schwieriger ist, andere Menschen ganz selbstverständlich als Menschen zu betrachten, nur weil sie einer anderen Kultur (z.B. der Italienischen) entspringen. Obwohl sie hochdeutsch sprechen.

Ein Gedanke zu „Multikulti in Deutschland – ein Gedankengang in fünf Absätzen.

  1. Liebe IcePrincess,

    gefällt mir sehr gut, dieser Beitrag. Er macht nachdenklich. Wir solten uns und unsere Handlungen öfter mal hinterfragen!

    ##########

    ich habe dich für den „Mystery Blogger Award“ nominiert. Natürlich ist deine Teilnahme freiwillig, aber ich würde mich freuen, wenn du mitmachst!
    Alles Infos sind auf musikhai.com zu finden.

    https://musikhai.com/2017/09/12/the-mystery-blogger-award/

    Liele Grüße
    Katrin – musikhai

Kommentar verfassen