Das Zahnweh subjektiv genommen,

ist ohne Zweifel unwillkommen;
doch hat’s die gute Eigenschaft,
daß sich dabei die Lebenskraft,
die man nach außen oft verschwendet,
auf einen Punkt nach innen wendet
und hier energisch konzentriert.
Kaum wird der erste Stich verspürt,
kaum fühlt man das bekannte Bohren,
das Zucken, Rucken und Rumoren,
und aus ist’s mit der Weltgeschichte,
vergessen sind die Kursberichte,
die Steuern und das Einmaleins,
kurz, jede Form gewohnten Seins,
die sonst real erscheint und wichtig,
wird plötzlich wesenlos und nichtig.
Ja, selbst die alte Liebe rostet,
man weiß nicht, was die Butter kostet,
denn einzig in der engen Höhle
des Backenzahnes weilt die Seele,
und unter Toben und Gesaus
reift der Entschluß: Er muß heraus!

Wilhelm Busch, Zahnschmerz

Okay, der Entschluss „Er muss heraus“ ist auf einer anderen Ebene,denn ich halte diesen ekelhaften Schmerz ja aus, um eine gefahrlosere Entfernung zu erreichen. Legt euch bloß nie einen Weisheitszahn zu, der sich gemütlich in den Nerv gekuschelt hat und der sich dann noch dazu entschlossen hat, waagerecht zu wachsen. Das „aus dem Nerv Rausdrücken“ ist mit ekelhaft viel Schmerz verbunden. Eine OP birgt, wenn sie zu früh erfolgt, das Risiko, dass der Gesichtsnerv irreparabel geschädigt wird und die Mimik dann von „bewußt aber sparsam“ auf „Null“ reduziert wird.
Na dann… Eis her, Eis her oder ich fall um, Juchhe!

2 Gedanken zu „Das Zahnweh subjektiv genommen,

  1. Meine mussten in meiner Jugend ruckzuck raus. Mein Kieferorthopäde meinte mit Blick auf das Röntgenbild „besser gestern als morgen“. 😀

  2. Ich beneide Dich… es macht keinen Spaß, sich im Schwabenalter noch mit so einem Blödsinn befassen zu müssen, weil selbst ein erfahrener Kieferchirurg immer mit einem „so lange sich keine Entzündung festsetzt warten wir“ ankommt.

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