Warum ich nicht unter Pseudonym blogge…

zumindest nicht wirklich…
Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der eine Domain hat, sie auch auf seinen (realen) Namen registriert hat ist groß. So ist eben auch bei der Mikrowelle.
Im ersten Moment habe ich gar nicht drüber nachgedacht, ob es sonderlich vernünftig ist, über meine Krankheiten – physisch wie psychisch – öffentlich zu schreiben. Da ich inzwischen allerdings auch an meiner Arbeitsstelle offen damit umgehen kann, passt es.

Ich habe die ganze Geschichte des „bloß nicht drüber Redens“ hinter mir und ich verstehe jeden, der sich besonders zu Anfang seines Berufslebens sorgen macht, was passiert, wenn das rauskommt.
Wenn man über MS redet, haben die Leute Angst dass man physisch nicht arbeitsfähig ist (Ständig krank, Rollstuhl…).
Wenn man über Depression redet, haben die Leute Angst, dass man psychisch nicht arbeitsfähig ist.
Unter dem Strich ist es aber so, dass diese Heimlichtuerei extrem belastend ist. Es zumindest für mich war. Und seit ich ganz offen darüber reden kann – ja, ich habe MS, ich gehe ein Mal in der Woche zur Physiotherapie und brauche die auch, ich habe auch Depressionen, komme aber mit meinen Medikamenten super klar… fühle ich mich einfach wesentlich besser.

Knackpunkt war mein letzter Schub im Oktober 2015. Da war ich für eine Woche ausgeknockt. (fünf Tage Cortison, drei Tage Entzug) Und habe ganz deutlich gespürt, dass ich keine Lust mehr habe, Lügengeschichten darüber zu erzählen was war und warum ich noch etwas kurzatmig bin.

Ich bin froh, einen Arbeitgeber zu haben, der kapiert hat, dass meine Ausfallzeiten eben zu 90% weder mit dem einen zu tun hat, noch mit dem anderen. Ich sitze jeden Tag brav an meinem Schreibtisch es sei denn, die Grippe rafft mich dahin oder es passiert halt irgendein anderer Mist – siehe Zeigefinger. Ich habe in meinem ganzen Arbeitsleben noch nicht einen Tag Krankschreibung wegen der Depression gehabt.
Dass ich mit letzterem ziemlich alleine dastehe weiß ich. Allerdings gibt mir die Arbeit eben auch in den miesesten Phasen so viel Halt, dass ich mich jeden verdammten Morgen aus dem Bett raffe (und wenn ich am Abend davor vor dem Medikamentenschrank stand und überlegt habe, ob das reicht) um da hin gehen und irgendwie meinen Job zu machen, um dann wieder heimzugehen und mich zu verkriechen. Ohne Job? Hätte ich keinen Halt. Nichts mehr, was mich in den dunklen Zeiten zum Aufstehen zwingt.

Dieser Artikel soll alles andere als ein Vorwurf gegen die sein, die aus verständlichen Gründen nicht darüber reden wollen, was mit ihnen los ist. Ich betrachte ihn eher als Denkanstoß für alle Betroffenen, aber auch für alle nicht-Betroffenen. Jeder Asthma-Kranke darf über seine Krankheit offen reden. Niemandem wird es negativ angerechnet, wenn er kaputte Bandscheiben hat. Es wäre doch schön, wenn wir mit anderen Krankheiten diese Freiheit auch hätten. Wenn es keinen persönlichen Mut (in meinem Fall würde ich eher von Tollkühnheit sprechen…) brauchen würde, trotzdem darüber zu reden.

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