Angst vor der eigenen Courage

Als allererstes: Ich habe es geschafft. Nach über einem Jahr harter Arbeit habe ich das letzte Fortbildungsmodul abgeschlossen und darf mich nun von Bikablo® und den Kommunikationslotsen ausgebildeter Visual Facilitator nennen. Ich habe viel gelernt, auch über mich.

Eine kleine Visualisierung aus meiner (digitalen) Feder

Nun blicke ich in die Zukunft und überlege, wie es weiter gehen kann. Und da kommt sie dann, die Sache mit der Angst vor der eigenen Courage… es wird immer offensichtlicher, dass meine Zukunft „Selbständigkeit“ heißt, eigene Firma, für mich selbst sorgen.

Ja, selbst dafür verantwortlich sein, dass Geld in die Kasse kommt und nicht von Zeitverträgen abhängig. Mit dem arbeiten, wofür ich brenne, was ich im Lauf meiner Fortbildung immer deutlicher gespürt habe. Visualisierung, mit dem Stift Welten erschaffen und verändern. Mit dem Stift helfen, Gedanken zu sortieren, helfen das Große Ganze zu sehen. Das ist es was ich will. Und was ich kann.

Aber…. Das große Böse „Aber“. Wird es klappen? Schaffe ich es, von Anfang an so viele Aufträge an Land zu ziehen, dass ich davon leben kann?

Ein Teil von mir sagt: Klar schaffst Du das. Du bist gut. Du kannst Dein Produkt verkaufen.

Ein anderer Teil sagt: Ach ja? Depressiv, chronisch Krank und so?

Manchmal bin ich dann fast froh, dass wir in Deutschland leben und die Götter vor die eigene Firma die Bürokratie gesetzt haben… aber die gilt es in den nächsten Wochen Schritt für Schritt zu überwinden. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Zeichenstifte und Zeit

Alle Welt redet immer vom „Flow“ und davon, wie toll der doch ist. Ich bin da inzwischen geteilter Meinung…

In den letzten Wochen habe ich einen Teaser-Trailer in Legetricktechnik für mein Team erstellt. Das macht einen Riesenspaß. Nur… wenn ich zeichne, wenn ich Spaß dran habe, dann gerate ich in einen Flow. Ich vergesse alles. Hunger? Durst? Uhrzeit? Vergesst es. Ist alles nicht präsent. Und so cool dieser Zustand einerseits ist, macht es keinen Spaß, wenn man mitten am Nachmittag an einem nachgebenden Kreislauf bemerkt, dass man weder Mittag gegessen noch genug getrunken hat. Oder wenn man „nur noch kurz hier fertigzeichnen“ erst weit nach Mitternacht ins Bett kommt, am nächsten Tag der Wecker aber trotzdem klingelt.

Aktuell würde ich zu dem Thema sagen: Flow? Klar, immer. Aber nur, wenn du entweder Urlaub hast, oder Deine Zeit ganz frei einteilen kannst. Wenn neben Dir ein „normaler Bürojob“ wartet, der auch erledigt werden will… also dann könnte ich auch ohne.

Graphic recording und was sonst noch so war

Wenigstens das Motto der Woche schaffe ich jetzt wieder regelmäßig, und ab und an habe ich sogar was zu sagen 😀

Ich lebe so vor mich hin, bemühe mich darum, dass ich wenigstens jede Woche in meinen Gesangsunterricht komme und mich um alles kümmern kann, das so anliegt und damit habe ich aktuell genug zu tun. Warum? Gute Frage. Oft bin ich müde, oft ist es auch ein latenter Schwindel, der nervt.

Die gute Nachricht des Tages: Ich habe heute mein erstes ernsthaftes Graphic Recording abgeschlossen. Die dreieinhalb Stunden der PI Demo und des Management Review habe ich auf drei Meter Papier gebannt und die Kollegen sind begeistert. Ich bin zwar durchgeschwitzt und fertig wie Schnitzel, aber – es geht. Sogar in Angeschlagen.

Die zweite gute Nachricht des Tages: Ich habe in meinem Fitness-Studio jetzt die Sondererlaubnis, bei Hitze im abgetrennten Bereich mit „Hochbetreuung“ zu trainieren. Gedacht ist das eigentlich für erweiterten Reha-Sport, da dort der Trainer-Kunde-Schlüssel noch höher ist, als im normalen Bereich. Vorteil ist halt: Es ist dort deutlich klimatisierter als im großen Studio, was der MS entgegen kommt und die Kundenfrequenz am Abend ist dort sehr viel niedriger als unten, was bedeutet, dass ich viel leichter mein Zeug durchtrainieren kann.

„Entzugserscheinungen“

Endlich mal wieder was „zum Thema“, wenn ihr so wollt. Zum Thema Depression und Antidepressiva.

Es geistert ja schön durch die Internetwelt, dass Antidepressiva süchtig machen, weil sie zu Entzugserscheinungen führen. Dem habe ich immer vehement wiedersprochen, und dabei bleibe ich, erst Recht nach meinem unfreiwilligen Selbstversuch. Vor ein paar Wochen habe ich aus Versehen abends noch eine Venlafaxin genommen und somit meine ohnehin schon recht hohe Tagesdosis gelassen verdoppelt. Urgs.

Die erwarteten sofortigen Nebenwirkungen blieben aus. Keine „erhöhte Unruhe“, kein „nicht schlafen können“, alles gut. Alles war wie immer. Ich war maximal ein kleines Bißchen aufgedrehter als sonst, aber das wars.

Als Erklärung hierzu: Ich bin kein besonders… in sich ruhender… Mensch. Eigentlich sprüht meine Energie in tausend Funken in tausend Richtungen und ich habe kaum genug Zeit um allen meinen Kreativen Schnapsideen nachgehen. Das war der „gesunde Zustand“ und meine Psychiaterin ist der Ansicht, dass Tabletten mich dann bitte auch wieder genau da hin bringen dürfen.

Gut, wo waren wir? Ach ja, doppelte Dosis. Zuerst war alles okay. Nur… am nächsten Abend überfiel mich dann zuerst der Schwindel, dann der Schüttelfrost. Zusammen mit allgemeiner Erschöpfung dachte ich mir „Grippe lässt grüßen… dann wird das morgen wohl nix mit dem Arbeiten“. Aber nein, am nächsten Morgen war erst mal alles wieder gut. Bis es im Lauf des Tages wiederkam und… ehm… ja. Nicht nur einmal.

Was tut also der brave, aufgeklärte Patient? Er informiert sich erst mal selber. In der Dosis geht das Venla nicht nur auf Serotonin, sondern auch auf Adrenalin. Und in meiner versehentlich Erhöhten sogar auf Dopamin. Na Mahlzeit.

Ein Ungleichgewicht im Adrenalinhaushalt führt zu? Müdigkeit (check), Kopfschmerzen (check) und Zittern (von mir als „Schüttelfrost“ definiert). Okay… genaugenommen sind das also nur die Auswirkungen von „zu viel Medikament“ bis sich alles wieder eingepegelt hat.

Ein Ungleichgewicht im Dopaminhaushalt hat ähnliche Symptome. Sogenannte „harte“ Drogen erzeugen genau das, ein Ungleichgewicht im Dopaminhaushalt, was zu den typischen Entzugssymptomen führt.

Was will uns die Autorin mit diesem chaotischen Erguss sagen: Entzugssymptome bei Antidepressiva bedeuten nicht, dass Du nach dem Zeug süchtig bist. Sie bedeuten, dass das Medikament wirkt, dass es etwas in Deinem Hirn anstellt.

Da ich mich schon lange von dem Gedanken verabschiedet habe, dass ich jemals wieder ohne Antidepressiva leben kann (wozu auch, gegen Blutdruck nimmt man ja auch täglich seine Tabletten), ist das für mich also eher ein positiver Beweis dafür, dass die Tabletten keine wenig zielführenden „Happy Pills“ sind, sondern ein Ungleichgewicht im Bereich der Neurotransmitter so einstellen, dass ich wieder ganz ich sein kann.

Womit ich übrigens nicht gerechnet hatte, ist dass ich tatsächlich fast zwei Wochen lang was davon haben sollte, von dem chaotischen Hirnzustande. Merke also: Bloß nie wieder aus Versehen die Dosis verdoppeln. Das ist… nicht lustig.